kleine Laufsandalen-Kunde

Nach 4 Laufsandalen unterschiedlicher Hersteller, mit denen ich mit jeder mehrere, unterschiedliche Läufe absolviert habe, kann ich sagen: Laufsandale ist nicht gleich Laufsandale.

 

Obwohl alle Sandalen grundsätzlich sehr ähnlich aussehen, gibt es doch erhebliche Unterschiede. Aber schauen wir uns mal die Testkandidaten an:

 

Lizard Roll Up Sandale

gekauft: August 2015

gelaufene Kilometer: 5,1

 

Bildergebnis für lizard roll up sandal

 

Meine erste Sandale. Gekauft vor ca. 2 Jahren. Noch nie davon im Blog gelesen ? Mmmhhhh, kein Wunder. Nach dem ersten Lauf sind die im Kasten gelandet und seit dem dort geblieben.

Simpler Grund (auf den ich noch näher eingehen werde): Die Schnürung besteht aus einem dehnbaren Gummiband – damit schlackert das Ding beim Laufen ziemlich herum. Mag sein, das die Sandale zum Spazierengehen gut ist – hier gehts aber um Sandalen zum Laufen (Joggen / Rennen für meine deutschen Blogleser ….)

 

LUNA Leadville Pacer

gekauft: Juli 2016

gelaufene Kilometer: 208

Die ersten Laufsandalen, die dem Namen gerecht werden – quasi auch die Urmütter aller Laufsandalen – erste Eindrücke hier  , hier oder hier

 

Die Geniale Sandale

gekauft: März 2017

gelaufene Kilometer: 65

GOPR4600

Ein echtes österreichisches Produkt (www.genialesandale.at ) – die minimalste Sandale, die ich habe – in jeder Hinsicht.

Berichte hier oder hier

 

Chala Evo Light

gekauft: Mai 2017

gelaufene Kilometer: 50

Stammen aus deutscher Produktion ( Voycontigo ), gibts in vielen “Geschmackrichtungen” und ist ein guter Kompromiss zwischen den Lunas und der Genialen Sandale

Bericht hier

 

Aufbau Laufsandale

Eine Laufsandale ist grundsätzlich ein simpler Schuh. Du brauchst eine Sohle aus irgendeinem Material, das abriebsfest ist, halbwegs Grip hat und idealerweise durchstichsfest ist.

Dort klebst Du ein Obermaterial drauf, auf dem der Fuß sich wohl fühlt. Dann schneidest Du das in der Größe deines Fußes aus, machst zwischen der großen und mittleren Zehe ein Loch und links und rechts knapp vor der Ferse und fädelst eine Schnur durch – fertig.

Das das wirklich so einfach ist, beweisen unzählige Bastelanleitungen im Internet.

Und auch alle oben beschriebenen Sandalen sind genau so aufgebaut und trotzdem grundverschieden. Fangen wir mal mit allen Bestandteilen – von unten nach oben – an:

 

Die Sohle

Hier ist zuerst mal das Profil der Sohle unterschiedlich: Die Geniale Sandale hat ein eher dünnes, fast glattes Profil, die Lunas und die Chalas sind etwas strukturierter.

Ich bin mit allen sowohl auf Asphalt, als auch im Gelände gelaufen, ohne wirklich einen Unterschied zu merken. Bei halbwegs gutem Laufstil ist der Grip der Sohle fast egal, im Gelände spielt die Geniale Sandale und die Chalas noch die Stärke aus, das sich der Fuß durch die dünne Sohle in den Boden krallen kann.

Die Chalas und die Lunas haben Vibram Sohlen, die bekanntermassen durchstichsfest sind. Die Geniales Sandale hat eine Plastiksohle – hier ist bei mir auch noch nichts durchgekommen.

Wichtig und entscheidend ist allerdings die Stärke der Sohle:

  • Lunas: 9 mm
  • Chalas: 6 mm
  • Geniale Sandale: 3 mm

Und hier ist der erste sehr große Unterschied: Auch wenn 3 mm nicht nach viel klingen – das Laufgefühl in den Chalas ist doppelt so unterschiedlich als in der Genialen Sandale oder in den Lunas.

Hier gewinnt eindeutig der Chalas – die 3 mm der Genialen Sandale sind mir im Wald und auf Single Trails doch zu brutal – obwohl meine Füße viel gewöhnt sind. Auf Asphalt, weichem Waldboden und ebenen Wegen funktioniert die Geniale Sandale aber gut.

Die Lunas sind mit 9 mm dicker als die meisten meiner Laufschuhe und geben damit nicht viel Bodenfeedback – was auf sehr steinigem, unruhigen Gelände aber besser für die Füße ist.

 

Das Fußbett

Also quasi die “Oberseite” der Sohle.

Hier gibts interessanterweise von der Genialen Sandale 2 Optionen: 1 x Kunstleder, 1 x Echtleder. Ich habe aus dem Grund 2 Paar – von jeder Option eines und laufe auf jedem Fuß eine andere. Viel Unterschied am Fuß spüre ich nicht – das Kunstleder ist jedoch weniger rutschig bei Schlamm und Nässe und deutlich besser zu reinigen.

Bei den Lunas habe ich festgestellt, das das Fußbett rutschig wird, wenn es feucht und leicht schlammig ist. Die Chalas  hatte ich noch nie in so einer Situation, kann daher nix dazu sagen.

Alle drei Sohlen biegen sich nach einigem Gebrauch um den Fuß – gut zu erkennen bei den Sandalen der “Geniale Sandale”-Erfinderin:

clip_image010

Besonders spannend ist das bei den Lunas – durch das relativ dicke Sohlenbett hat man nach relativ kurzer Zeit sein individuelles Fußprofil.

 

Die Schnürung

Hier ist meiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen den Modellen.

Sohle ist irgendwie klar – die Schnürung macht aus meiner Sicht aber den Tragegenuß der Sandale aus.

Die Geniale Sandale ist hier – wie die Sohle – sehr brutal. Die Dünnen Schnüre und die Knoten strapazieren beim Laufen meine Füße ziemlich. Besonders wieder im “harten” Gelände und Bergab spürt man Schwächen beim Laufstil sehr sehr deutlich.

Bei den Lunas wurde mir beim Kauf gesagt, das das Stück zwischen den Zehen den ersten Tag weh tut, dann nicht mehr – da muss ich zustimmen. Ansonsten ist beim Laufen die Schnürung recht angenehm – wenn man mal drinnen ist. Das Anziehen ist für mich immer eine leichte Qual, da die Schnürung nur schwer über die Ferse geht. Das Laufen ohne TechStraps (zusätzliche Bänder, die über den Vorderfuß laufen) geht bei mir gar nicht, mit TechStraps sehr gut.

Die Chalas haben die Schnürung aus meiner Sicht sehr gut gelöst. Der Fersengurt hat einen elastischen Teil, der das Anziehen einfach macht, die Schnürung hält auch perfekt am Fuß ohne TechStraps.

Einzig die Gummischnürung der Lizard Sandale hat sich als ungeeignet zum Laufen erwiesen. Die Schnürung soll den Schuh fest am Fuß halten, ohne einzuschnüren. Die Gummischnüre schaffen das nicht.

 

Lebensdauer

Nach den von mir gelaufenden und gewanderten Kilometer sind, wie erwartet, keine Abnutzungserscheinungen zu erkennen. Plaudert man mit langjährigen Lunabesitzer und schaut sich die Geniale Sandale der Erfinderin an, dürften die Sandalen durchwegs eine hohe Kilometerleistung abgeben.

 

Fazit

Wie schon hier beschrieben, spürt man eine nicht optimale Lauftechnik bei Sandalen wesentlich mehr als bei “herkömmlichen” Laufschuhen. Der Vorteil von Laufsandalen ist eine ungeahnte Freiheit für den Fuß und keine Probleme mehr mit Gestank von Schuhen Zwinkerndes Smiley

Die Auswahl der richtigen Sandale ist wie bei jedem Schuh eine sehr persönliche Sache. Und hängt vom Einsatzzweck, vom “Barfußtraining”, von der Laufstrecke und vom persönlichen Geschmack ab.

Gut sind sie alle 3 – je rauer deine Laufstrecke und je ungeübter du beim Barfußlaufen bist, umso dicker soll die Sohle sein.

Aber einen Versuch würde ich auf jeden Fall wagen mit den Sandalen.

Veröffentlicht in Allgemein
3 Kommentare zu “kleine Laufsandalen-Kunde
  1. Jonathan sagt:

    Danke für die schnelle Antwort. Bis jetzt war ich auf den Trails mit der DIY Huarache von Xeroshoes mit 4mm unterwegs, das wir mir aber etwas zu dünn, deshalb jetzt wahrscheinlich die Chalas.
    Ich trage meine Five Fingers auch nur noch im Alltag zum Laufen fast ausschließlich Sandalen oder ab und zu ganz ohne 🙂

  2. Jonathan sagt:

    Hey Christian, super Zusammenfassung. Für mich ist auch die Schnürung das entscheidende. Bis jetzt hatte ich nur Sandalen, die man selbst binden musste. Diese finde ich persönlich sehr angenehm wenn man seine perfekte Schnürung mal gefunden hat. Momentan bin ich mit der Sandale von Nakedshoes unterwegs. Diese wird in Handarbeit hergestellt und ist bei 6mm Dicke extrem leicht. Mittlerweile haben meine knapp 1000Km runter und laufen sich immer noch super. Fürs Gelände werde ich mir dann wohl die Chala Evo Light gönnen, die kommen in deiner Bewertung ja auch sehr gut weg.
    Bist du jetzt eigentlich lieber in Sandalen oder Five Fingers unterwegs ?

    Gruß Jonathan

    • Hi,

      Danke für dein Feedback. Bez. Evo light: Du musst dir für das Gelände bewusst sein, das die relativ dünn sind…. Im „wilden“ Gelände ist das doch recht hart für die Füsse wenn sie es nicht gewohnt sind….

      Und zu deiner Frage: Ff quasi nicht mehr – nur noch Sandalen und ganz ohne…

Kommentar verfassen