Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 4 von 4) – 10in2

10in2 ist eine Lebensweise, die Bernhard Ludwig – der Kabarettist – erst so richtig bekannt gemacht hat.

Das Prinzip ist ein watschen-einfaches:

Einen Tag ganz normal essen,
einen Tag gar nichts essen.

Ja, gar nichts. Also nichts. Nein, auch kein Frühstück. Und kein Mittagessen. Und kein Abendessen. Und dazwischen nix. Trinken ? Gute Frage. Ja. Wasser. Und Kaffee – ohne Milch, ohne Zucker. Und Tee – ohne Milch und ohne Zucker. Und am Abend ein Achterl Rotwein – wer will (aber ohne Milch und Zucker)..

Das wars.

Ich habe 10in2 schon vor Jahren kennengelernt und damals für mich beschlossen, das das nichts für mich ist.

Einen Tag nichts essen ? Geht gar nicht.

Ohne Frühstück in den Tag starten ? Sicher nicht.

Essen ist für mich mehr als Nahrungsaufnahme, der soziale Aspekt ist für mich sehr wichtig – vom Business-Abendessen bis zum gemeinsamen Familienessen. Und dann jeden zweiten Tag nichts ? Unmöglich.

Nach dem „Fehlschlag“ von Kilocoach musste ich aber feststellen, dass das „Aufpassen“ bei mir nicht langfristig funktioniert. Es funktioniert, wenn ich mich darauf „konzentriere“ und Zeit habe, wenn andere Dinge (Beruf, Familie,…) wichtiger werden bzw. wenig Zeit für Sport bleibt, geht das Gewicht wieder unbarmherzig rauf.

Also habe ich in den Weihnachtsfeiertagen 2013 begonnen, mich mit 10in2 intensiv zu beschäftigen. Und habe am 6. Jänner damit begonnen – allerdings mit ein paar Modifikationen, die für mich wichtig waren:

  • Statt 10in2 mache ich 43
    (Kleiner Geek-Hinweis: Mo, Mi und Fr nix essen heißt: 0101011 ergibt 43 😉 )
    D.h. 3 Tage pro Woche kein Essen (Montag, Mittwoch, Freitag), 4 Tage die Woche Essen.
    Damit habe ich 2 Tage pro Woche für Business-Essen und das Wochenende für Familienessen und um mit meiner Frau auszugehen. Es hat sich auch gezeigt, dass die Umwelt damit gut zurechtkommt – mittlerweile wissen schon viele meiner Freunde, wann ich esse und wann nicht – sogar die Bedienung in der Cafeteria wusste schon, dass ich Mo, MI und Fr nur einen großen schwarzen Kaffee statt dem Melange will
  • Kaffee in der Früh mit Milch
    3 Monate habe ich ernsthaft versucht, mich an den schwarzen Filterkaffee in der Früh zu gewöhnen. Nach 3 Monaten habe ich dann für mich beschlossen, dass das bisserl Milch in der Früh im Kaffee das Projekt nicht zum Scheitern bringen wird. Die echten 10in2er sehen das gar nicht gern – wichtig ist die 36 stündige Fastenphase ohne jegliche Kalorienzufuhr. Ich kann damit leben…
  • (geplante) Ausnahmen zulassen
    Mir war klar, das sich Termine nicht immer an meinen Plan halten werden. Und das ich im Urlaub 10in2 nicht machen möchte. Daher habe ich für mich schon zu Beginn beschlossen, das ich Ausnahmen zulassen werde.
    Wichtig: Geplante Ausnahmen:
    Ok für mich ist das Pausieren im Urlaub.
    OK für mich ist ein Businesstermin an einem Montag, wo ich Abendessen gehe. Ich versuche zwar, die Termine auf Di und Do zu legen, das geht aber nicht immer.
    OK für mich ist auch, am Freitag Abend mit meiner Frau ein Eis essen zu gehen – hier ist mir das Zusammen wichtiger als meine Ernährung.
    Wobei hier Mahlzeiten „gejokert“ werden und nicht Tage – d.h. auch wenn ich weiß, am Montag Abend gibt es ein Business-Abendessen, gibt’s am Montag aber auch nur das.
    Nicht OK sind Ausnahmen, die aus Gusto passieren. „Naja, ein Bissen hier, ein Essen dort, ein Apferl ist ja nicht so schlimm usw.“ – Ist nicht OK, gar nicht. Und ist mir seit Jänner nicht passiert. Passiert ist mir beim Kochen am Nuller manchmal, das ein Karottenstück im Mund verschwindet und auch Nudeln werden am Nuller gekostet.  Diese Ausrutscher sind zwar nicht OK, die nehme ich aber hin…

Warum die Ausnahmen ? Ich will 10in2 den Rest meines Lebens machen – und da ist wichtig, dass das Programm lebenswert ist und im Alltag einsetzbar ist.

Fazit nach mehr als 6 Monaten:

Ja, es funktioniert. Ja, ich kann überraschend gut damit leben. Ja, mein Gewicht geht runter, wenn ich Sport treibe und wenig Ausnahmen habe, es geht aber nicht nach oben, wenn ich Ausnahmen mache und keinen Sport treibe.

Ein paar Antworten auf Fragen, die ich immer wieder bekomme:

  • Einen Tag nichts essen – ich könnte das nicht
    Ausprobieren. Es ist überraschend gewesen für mich, wie einfach es ist. Der dritte und vierte Nuller ist ein wenig gemein, hin und wieder ist der Gusto enorm, es funktioniert aber.
  • Naja, ich ess halt weniger… 
    Null ist für mich leichter als „Wenig“. Mit 0 habe ich vor Schalen mit Erdnüssen, Buffets und anderen Kostbarkeiten kein Problem. Beides ausprobiert, kein Vergleich
  • Ist das nicht ungesund ?
    Interessante Frage. Lt. Der Homepage von 10in2 ist es sogar genau Gegenteilig. Durch die 36stündige Fastenzeit beginnt der Körper, geschädigte Zellen „aufzuessen“ – Es gibt dazu Tierversuche, die von einer Steigerung der Lebenserwartung von 20 % – 40 % ausgehen und mittlerweile auch schon Studien mit Menschen. Für mich ist das allerdings ein netter Nebeneffekt und nicht der Grund, warum ich 10in2 mache. Für mich ist die Steigerung der Lebenserwartung schon durch die Gewichtsreduktion gegeben.
  • Aber der JoJo Effekt ?
    Tritt bei 36 Stunden Fasten schlicht und ergreifend nicht auf. Punkt.
  • Sporteln geht aber nicht am Nuller ?
    Schon. Und wie. Das interessante ist, das meine langen Ausdauerläufe seit 10in2 massivst leichter geworden sind. Auch ohne Training war der Wien-Marathon und die 25 km vom Mozart 100 ernährungstechnisch kein Problem. Ich habe das Gefühl, das mein Körper durch die Fastentage das „Fettfressen“ gelernt und trainiert hat und dies bei Ausdauerläufen nun leicht umsetzen kann.
  • Warum macht das dann nicht jeder ?
    Gute Frage. Keine Ahnung. Weil man daran nichts verdienen kann ?
    (Unter uns: Es gibt von Bernhard Ludwig ein Buch zu 10in2   Nett, unterhaltsam, aber nicht notwendig um 10in2 zu machen. Alles, was man wissen muss steht auf der Homepage. Die Infos dort sind gratis, die Macher bitten lediglich, für jeden verlorenen Kilo 1 EUR zu spenden.)
  • Was darfst Du am Einser essen ?
    Alles. (Alles ?) ja, alles. Die letzten 2 Monate habe ich sogar bewusst übertrieben. Eine Schoki dort, ein Semmerl da, bewusst keinerlei Zurückhaltung am 1er, eher im Gegenteil. Viel Essgewohnheiten wieder aufgenommen, die ich in den letzten Jahren abgelegt habe. Weil ich es einfach wissen wollte. Ich wollte wissen, was geht. Und das Gewicht geht einfach nicht rauf. (Gut, es geht auch nicht runter, das war aber klar) Erlaubt ist alles. Wer aber heute vernünftig lebt und das beibehält, wird seine reine Freude haben.
  • Ich mach das jetzt auch seit 2 Monaten, habe die ersten 6 Wochen x Kilo abgenommen, seit 2 Wochen nehme ich nix mehr ab.
    Ruhig, keine Panik. Ist ganz normal. Am besten Waage verkaufen, weiter Nullern und freuen, dass der Gürtel schon wieder zu weit ist.

 

Nachteile von 10in2

Ja, es gibt auch Nachteile. Es ist nicht alles perfekt und einfach:

  • Müdigkeit
    Am Nuller bin ich sehr oft müde. So richtig. Interessanterweise liest man immer wieder von Menschen, die am Nuller extrem viel Energie haben. Ich zähle nicht dazu. Möglicherweise liegt das an der fehlenden Regelmäßigkeit, am 43 statt 10. Weil mir auch auffällt, das die Müdigkeit nach Urlauben (=Pausen) stärker ist als nach 2 Wochen konsequente 43 ohne Ausnahmen.
  • Kopfweh
    In den ersten Wochen hatte ich tlw. am Nuller Kopfweh – angeblich ist das, weil sich Schadstoffe, die im Fett gespeichert sind, lösen… Das hat sich aber weitgehend aufgehört.
  • Kälte
    Gut, bei den derzeitigen Außentemperaturen kein Problem. Aber an den Nullern ist mir immer kalt. Wirklich kalt. So kalt, das ich im Büro Pullover trage. Ganz ehrlich: halte ich aus 😉
  • Soziale Kontakte
    „Gemma Mittagessen ?“ geht halt nur noch 2 x in der Woche. Leider. Tlw. Habe ich eine Mittagessen-Vorlaufzeit von 3 Wochen. Ich mache es halt so, dass ich dann auf den Kaffee danach mitgehe. Ist nicht das gleiche, geht aber auch.
  • Kleidung
    Das ist das Teure an 10in2. Die Kleidung fängt zum Schlottern an. Der Gürtel braucht neue Löcher. Ich habe viel neue Kleidung gebraucht. Schade 😉

Manchmal werde ich gefragt, wie lange ich diese Diät machen will …

Dann weiß ich, dass mein Gegenüber das Prinzip nicht verstanden hat. Mehrfach. Das ist keine Diät. Und es hat kein Ende. Wenn ich mal 1 Jahr unter 80 kg bin werde ich vielleicht mal einen weiteren Esstag einlegen. Vielleicht. Vielleicht schwenke ich aber auch mal auf 10in2 um. Keine Ahnung. Der Plan ist jetzt einmal, das weiter zu machen.

Weils einfach ist und funktioniert…

 

Artikelserien:

Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 1 von 4)
Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 2 von4) – 5 Jahre im Rückblick
Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 3 von 4) – Kilocoach
Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 4 von 4) – 10in2

 

Veröffentlicht in Ernährung
Ein Kommentar zu “Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 4 von 4) – 10in2
  1. Ich finde diese Ernährungsumstellung genial!
    Seit einem halben Jahr esse ich nur noch jeden zweiten Tag und fühle mich sehr gut dabei. Über meine Erfahrungen in dieser Zeit habe ich auf meinem Persönlichkeits-Blog einen längeren Artikel dazu geschrieben: http://goo.gl/ZeEf4K

2 Pings/Trackbacks für "Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 4 von 4) – 10in2"
  1. […] fast besser als an den Esstagen (für die, die meinen Blog nicht regelmäßig verfolgen: Siehe 10in1 ) Selbst das Hoch-Intensiv-Training funktioniert am Abend problemlos und obwohl ich den ganzen Tag […]

  2. […] Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 1 von 4) Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 2 von4) – 5 Jahre im Rückblick  Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 3 von 4) – KiloCoach  Nicht Zunehmen statt Abnehmen (Teil 4 von 4) – 10in2 […]

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