Burgenland Extrem–final Trail– ein unaufgeregter Erfahrungsbericht

Der Burgenland Extrem Lauf hat mich seit seiner ersten Durchführung fasziniert. War es zuerst der Gedanke, einen Ultralauf im Winter zu laufen, hat der Lauf zusätzlich eine Philosophie, die mir sehr gut gefallen hat: Das ist kein Wettkampf, sondern die Veranstalter wollen Dir eine Möglichkeit geben, an deine Grenzen und darüber zu gehen. Das bedeutet, es gibt keine Zeitnehmung und sie bieten Shuttels an, die dich jederzeit abholen, egal wo du bist.

Alles zusammen Dinge, die diesen Lauf auf meine “das musst du machen” Liste gestellt haben und den ich heuer realisiert habe.

Mit etwas Bauchweh, weil mein Trainingszustand derzeit – naja – ist und mein letzter Lauf über 30 km im Juni 2016 war (und seitdem nur 6 Läufe mit einem 2er davor im Protokoll stehen)

Aber die 2 Monate Grundlagentraining in der Sporthalle und das ChiRunning haben mich den Wahnsinn trotzdem probieren lassen.

Und ich war nicht alleine, eine meiner ChiRunning-Kursteilnehmerinnen, Sabine, mit der ich im November die Lainzer Tiergarten Runde gelaufen bin und die vom Tempo sehr ähnlich wie ich läuft, war auch zum selben Lauf angemeldet und so haben wir beschlossen, gemeinsam zu Laufen

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Den größten Respekt hatte ich vor dem Wetter (und ich geb zu, hätte es unter 8 Grad und Regen gegeben, wär ich nicht gestartet): Wie schauen 60 km bei Minusgraden aus ? Wie ist das, wenn Du läufst und dann Gehstrecken hast und völlig verschwitzt bist ? Was ist, wenn es schneit und eiskalter Wind weht ? Diese und andere Fragen haben mich ernsthaft beschäftigt – bis die ersten realistischen Wetterberichte Beruhigung gebracht haben: 4 Grad, wenig Wind und trocken, also perfektes Laufwetter. Auch die Generalprobe hat die Kleidungsfrage gut erledigt…

Also sind wir frohen Mutes am Freitag in Apetlon gestartet.

Kleiner Hinweis für alle, die den Lauf auch probieren wollen: Nicht schrecken, wenn euch bei der Anreise schon viele Läufer entgegenkommen. Nachdem der Lauf keine Zeitnehmung hat, starten die Läufer und Geher, wann sie wollen. Wir sind auch um 09:15 gestartet, was eine optimale Zeit war, weil wir lange Zeit immer wieder Geher überholt haben, aber nicht in der Masse gelaufen sind.

 

Zum Lauf selber:

Also wie soll ich es höflich sagen: Die haben da im Burgenland viel Gegend

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Ungefähr so schaut die ganze Gegend aus. Also ned wirklich aufregend. Der Untergrund ist viel Asphalt und tlw. Schotter. Nicht wirklich mein Untergrund und meine Gegend. Wie hat eine Tirolerin, die wir getroffen haben, so schön gesagt: “Wir sind extra aus Tirol hierher gekommen und es ist so schön, mal keinen Berg vor der Nase zu haben beim Laufen.”

Ein Berg ist auf der Strecke, wo mein Trailrunning Herz ein wenig aufgegangen ist:

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Ansonsten viele gerade Wege….

Besonders am Schluss wird es ein wenig zach – die erste Hälfte bis nach Jois ist im Vergleich zur zweiten Hälfte richtig aufregend. Mag sein, das es mit der Erschöpfung zu tun hat, aber wirklich spannend ist die zweite Hälfte nicht.

Meine tiefe Bewunderung gilt übrigens den wirklich unzähligen Menschen, die die Distanz gegangen sind ! Die für die 120 km tlw. 24-30 Stunden unterwegs sind. Die mental aushalten müssen, das die Straßen überhaupt kein Ende nehmen, weil nichts weiter geht.

Von der Marathonläuferin zur Ultraläuferin

Die Definition des Ultraläufers ist eigentlich sehr klar und einfach: Alles, was weiter als ein Marathon ist, ist ein Ultralauf.

Ich habe schon beim Mozart 100 bei meinem ersten Ultralauf angeregt, doch bei km 42,196 ein Schild aufzustellen: “Gratuliere! Du bist jetzt ein Ultraläufer” – für mich war bei dem Lauf dieser Moment schon etwas besonderes – zu wissen, das ich noch nie in meinem Leben so weit gelaufen bin. Auch ich habe beim Burgenland Extrem den Moment, wo ich die 50 km überschritten habe, sehr bewußt für mich “gefeiert”

Für meine Mitläuferin Sabine war es aber der erste Ultralauf. Und den Moment, wo bei ihr aus der Marathonläuferin eine Ultraläuferin geworden ist, haben wir dann (gut, bei Km 45) bildlich festgehalten. Gemeinsam mit einer Mitläuferin, die wir immer wieder getroffen haben, für die es auch der erste Ultra war

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Auch den beiden Damen sieht man an, das die Belastung bei einem langsamen Ultralauf wesentlich geringer ist als bei einem schnellen Marathon….

 

Die scheinbar wichtigste Frage meiner Blogleser: Welche Schuhe ?

Ja, die Schuhfrage hat mich lange beschäftigt. Der erste Plan war, meine Vivobarefoot Primus Trail Men zu nehmen, die haben sich nur bei der Generalprobe als untauglich erwiesen…

Und da das Wetter doch trocken und mit Plusgraden angesagt war, sind es schlußendlich meine geliebten Challa Sandalen von Voycontigo geworden.

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Allerding erstmalig mit Socken und zur Sicherheit waren die FiveFingers Trek Ascent im Rucksack (sollte es zu kalt werden)

Und es war eine gute Wahl – hin und wieder war es kühl, aber schlußendlich waren es die perfekten Schuhe für diesen (und vielen andere) Läufe.

Für mich sind Sandalen mittlerweile die einzigen Laufschuhe, in denen sich der Fuß in keinster Weise  eingeengt fühlt und die volle Flexibilität der Knochen und Sehnen gegeben ist. Die Challas haben auch en Vorteil, das die Sohle genau so dick ist, um gut zu schützen, aber dünn genug ist, um die Bewegung des Fußes nicht zu blockieren (wie es von meinem Gefühl die Lunas machen)

 

Die Organisation

Der Lauf ist grundsätzlich super organisiert – das Team ist freundlich, hilfsbereit und die Verpflegungsstellen völlig ausreichend, die in Neusiedl sogar schwerst genial. Das in dem Gasthaus der Startnummernabholung in Apetlon fleißig geraucht wurde, wird ja hoffentlich im nächsten Jahr endlich Geschichte sein…

Auf der Strecke selber sind keine Streckenposten, allerdings haben wir sicher 4-5 Mal Organisationsfahrzeuge getroffen, die Wasser und Tee verteilt haben und gefragt haben, ob alles in Ordnung ist.

Die Strecke selber ist relativ gut markiert, der offizielle GPS Track ist allerdings ein paar Mal von der markierten Strecke abgewichen (bitte liebes Orgateam – das muss nicht sein…)

Besonders blöd war das gegen Ende – meine Uhr hat noch 5 km angezeigt, als wir auf einen Wegweiser des Radweges getroffen sind, der gemeint hat, das es noch 9 km bis Oggau sind. Was nicht nur für die Benachrichtigung an meine Frau blöd war, wann sie mich abholen kann (4 km mehr ist ca. 1 Stunde), sondern auch für die Motivation. Ist jetzt Schluß, wenn die Uhr 0 anzeigt, oder sind es dann noch lange 4 km ?

Die letzten Kilometer ging es dann die (wegen Bauarbeiten gesperrte) Bundesstrasse entlang und ein zufällig am Rad vorbeikommender Burgenländer hat uns verraten, das der Kirchturm, der in der Ferne zu sehen war, bereits das Ziel ist. WIr haben dann beschlossen, egal wie die Strecke verläuft, auf der Bundesstrasse zu bleiben, aber es waren dann eh keine Extrarunden mehr.

Interessant war an diesen ca. 3 km (zur Vorstellung: eine gerade typische Bundesstrasse, völlige Dunkelheit, nur das Licht der Stirnlampe und keine Läufer außer uns zwei), das du da genau nix anderes machen kannst als stur zu laufen. Wir haben 2 Mal probiert zu gehen und das hat einfach nicht funktioniert, weil wir das Gefühl hatten, wir stehen…

Bis dann endlich das befreiende Ortsschild kam

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Wie war der Lauf für mich ?

Mein Arbeitskollege, der die 120 km gelaufen ist, hat es richtig ausgedrückt: “Für deinen Trainingsumfang eine super Leistung”

Und so sehe ich das auch. Es war für mich eigentlich überraschend unaufregend…. D.h. wir sind den Großteil der Strecke gelaufen, wesentlich weniger gegangen als erwartet. Ich hab lange nachgedacht, warum das so war. Sicherlich wegen Sabine – wir haben uns einerseits viel unterhalten beim Laufen, was die Zeit natürlich schnell vergehen läßt. Andererseits haben wir uns gegenseitig immer wieder hochgeputscht – wenn ich ein Tief hatte, hat sie mich weitergezogen, wenn sie ein Tief hatte, habe ich sie gezogen.

Das der Lauf quasi keine Höhenmeter hat, unterscheidet ihn von der Belastung sicherlich von den Trailläufen, die ich gewohnt bin.

Und ein wesentlicher Aspekt ist sicher auch das Tempo. Wir haben für die 57 km knappe 8 Stunden gebraucht, was einer Durchschnittspace von 8:32 entspricht. Und die Belastung ist hier massiv geringer.

Spüre ich auch heute, einen Tag danach – natürlich spüre ich den Lauf, ich habe aber Marathons gehabt, wo ich besser trainiert war und der Folgetag schlimmer war.

Sicher hat auch die Lauftechnik viel Einfluss und das Training in der Sporthalle…

 

Werde ich den Lauf noch mal laufen ?

Nein. Der Grund ist einfach: Zu wenig Berge, zu wenig Trailstrecken. Und eine richtig langweilige Gegend (ausser für Tiroler Zwinkerndes Smiley )

Aber einmal sollte man ihn schon machen – es ist eine komplett andere Herausforderung als andere Läufe… Und auch eine gute Gelegenheit, die eigenen Grenzen auszuloten, weil dieser Lauf ganz klar kein Lauf ist, der an der Ziellinie enden muss…

Next Stop: Mozart 100 – ich diskutiere noch mit mir selber, ob es wirklich die große Runde wird….

Veröffentlicht in FiveFingers, Marathon
2 Kommentare zu “Burgenland Extrem–final Trail– ein unaufgeregter Erfahrungsbericht
  1. Bernd Matzkowski sagt:

    Hallo Christian, danke für Deinen sehr schönen Bericht! Eine Nachfrage habe ich noch zu den Chalas. Bei Voycontigo werden ja viele verschiedene Chalas angeboten. Kannst Du ein bestimmtes Modell insbesondere für Trailrunning empfehlen? Die Sohle sollte auf jeden Fall möglichst rutschfest sein.

    Danke und Grüße aus Aachen!

    Bernd

    • Das ist nicht ganz leicht;) ich hab die Evo 4, weil sie eine der dünnsten sind. Allerdings laufe ich schon seit 6 Jahren in Minimalschuhen und mein Fuß ist viel gewöhnt. Die Sohle ist gut griffig, die Schnürung perfekt. Leder als Fußbett ist aus meiner Erfahrung schlechter als Kunstleder, weil schneller schmutzig. Und die Pinatex sind etwas empfindlicher auf Nässe….

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