Mozart 100 – ein geplanter DNF

Gründe, einen Lauf nicht zu beenden, finden sich im Klassiker „Book of Excuses“ (in der deutschen Übersetzung von Gerhard Berger unter dem Titel „Hätt i war i “ erhältlich) zur Genüge. Für mich war heuer schon vor dem Start klar, das sich bei meinem Trainingszustand 55 km nicht ausgehen werden. (17 Läufe mit 224 Gesamtkilometer (früher mein Monatspensum) seit Jahresanfang sind keine adäquate Vorbereitung für einen 55 km Lauf mit etwas mehr als 2000 HM.

Für alle Nicht-Läufer kurz zur Erklärung: DNF bedeutet Did not Finish

Eine Komplettabsage war kein Thema – dazu ist dieser Lauf, die Organisation und die Stimmung viel zu nett (und außerdem waren Hotelzimmer und Bahnfahrten schon gebucht). Eine Ummeldung auf die 25 km von Fuschl nach Salzburg wäre die logische Konsequenz gewesen – aber ich habe mich trotzdem entschlossen, von Salzburg zu starten.

Der Grund dafür ist recht simpel: Die Strecke Salzburg – Fuschl war schon letztes Jahr landschaftlich und Streckentechnisch ein Traum, heuer war vom Veranstalter angekündigt, das eine Streckenänderung noch mehr Trail und noch weniger Asphalt bietet. Die einzigartige Finisher-Versicherung der Generali, die – gegen EUR 4,00 – den Startplatz 2017 garantiert, wenn man zumindest 50 % der Strecke schafft, war dann nur das „Zuckerl“ für die Entscheidung.

Also 30 km und 870 HM – schaffbar mit der richtigen Lauftechnik …

Start ist um 09:30 am Residenzplatz

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Der Zugang zum Startbereich wird 10 min vor dem Start geöffnet – trotz Ausrüstungskontrolle (jeder Teilnehmer braucht ein Notfallpfeiferl und einen Trinkbecher) kein Staus oder Stress.

Die ersten Kilometer gehen recht gemütlich die Salzach aufwärts – wie immer bei Ultraläufer ist die Stimmung hier ganz anders als bei Marathons – kein Gedränge, keine „ich überholte alle auf den ersten Metern“, eine ruhige, entspannte Atmosphäre.

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Hier laufe ich auf Mario auf – wir haben beide das gleiche Tempo (6 Min/km) und fangen an zu plaudern. Letztes Jahr beim 100er ausgestiegen, plant er nun den 55 zu beenden.

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Durchs plaudern vergehen die Kilometer recht schnell, bis dann der Anstieg über die Glasenbachklamm beginnt. Ein sanfter, aber stetiger Aufstieg, technisch simpel, optisch ein Traum

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Hier lasse ich Mario ziehen – schließlich ist der Plan, die 30 km bis Fuschl gemütlich anzugehen.

Immer wieder muss ich einfach stehenbleiben und Fotos machen – diese Bilder sind der Grund, warum ich Trailläufe liebe

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Die Strecken auf Asphalt sind diesmal wirklich massiv geringer und beschenken uns aber mit einer grandiosen Gegend

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Hier beweist das aktive Höhenprofil meiner Fenix seine Nützlichkeit – schön zu sehen, was man schon geschafft hat und was noch vor mir liegt.

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Hier formiert sich eine 6er Gruppe die mich die nächsten Kilometer (und vor allem Höhenmeter) begleiten werden. Leider bin ich bei den folgenden steile Ansteigen durch den Wald ganz vorne und lasse mich von der Gruppe ein wenig „hetzen“ und spüre zum ersten Mal meinen Unterschenkel.

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Die Strecke selbst ist ein Traum – Single Trails durch den Walde,

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Dann wieder an Kühen vorbei durch die Wiese

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Vorbei an einer Reihe von Mühlen und Bächen

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Und immer wieder Wasserfälle

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Die Gruppe zeigt mir, das mir zwar bei den Steigungen und tlw. Auch auf der Geraden die Kondition fehlt, das sich aber die 2 Jahre bewußtes „Downhill-Technik-Training“ ausgezahlt haben. Egal ob Gatsch-„Abfahrten“, Schotter oder Asphalt, Bergab konnte ich immer massiv Meter machen und mich von der Gruppe absetzen – ohne das Gefühl zu haben, mich besonderen anzustrengen.

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Und im Grunde ist es auch einfach: den geraden Körper leicht nach vorne lehnen und sich darauf konzentrieren, die Füße (und auch Hände) einfach nach hinten schwingen zu lassen. Damit wird – ähnlich wie bei Judo oder anderen Kampfsportarten – die Belastung quasi „abgeholt“ nach hinten und geht nicht aufs Knie. Klingt einfach, ist bei mir vor allem ein mentales Problem, weil ich doch recht schnell schnell werde. Hier hilft mir mein Metronom (das mich den ganzen Lauf begleitet hat) sehr, halte ich bergab auch die Schrittfrequenz von 175 Schritten/Minute ein, bleibt der Lauf kontrollierbar.

 

Kurz vor dem „Climb“ Streckenabschnitt gibt es eine super Asphaltstrasse, die mit ihrer Neigung perfekt ist, diesen Laufstil zu üben.

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Und so schnell ich dort runter bin, bin ich dann langsamer und mehr den Berg hinauf

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Hier hat sich die Gruppe dann aufgelöst – ein Teil ist vor mir weg, die anderen sind hinten zurück geblieben.

 

Ab km 23 war das Laufen dann schon mehr eine Quälerei und mir war klar, das heute Fuschl mein Ziel sein wird. Nach einigen Auf- und Abstiegen kündigt sich dann wieder ein Highlight an „The View“

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Der erste Blick auf den Fuschl-See. Bis zum See waren für mich immer wieder Laufstrecke möglich, 3 km vor Ende war dann Ende mit Laufen

Die letzten Kilometer sind traumhaft – ein Spazierweg am Fuschlsee entlang, immer wieder blitzt das Wasser zwischen den Blumen, ein Traum zum Spazierengehen 😉

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In Fuschl angelangt war es dann keine Diskussion mehr – auch wenn ich nach 10 Minuten so weit war, das ich wieder laufen konnte, war mir klar, das die restliche Strecke kein Spaß, sondern 25 km reine Quälerei bedeuten würden – und das muss nicht mehr sein.

 

Zur Ausrüstung:

Diesmal keine Fivefinger, sondern meine VivoBareFoot. Tadelloses Schuhwerk, guter Halt, gutes Feedback vom Boden. Ein Nachteil gegenüber den Fivefinger muss ich noch näher beobachten: Meine linke „Zeigezehe“ ist länger als die große Zehe – das spüre ich in FIveFingers gar nicht (oder wäre mir nicht aufgefallen) – in den VivoBareFoot fängt diese Zehe besonders bei den Downhills zu schmerzen an. Und – wie schon erwähnt – für mein Image sind die VivoBarefoot gar nicht gut – mehrfach wurde ich drauf angesprochen, warum ich nicht in Fivefinger laufe 😉

 

Mein besonderer Dank geht an Claudia Kolussi – Sie ist im Organisations-Team des Mozart 100 die, die sich um die Kommunikation kümmert. Und trotz der 1000enden Starter gibt sie mir – und sicher vielen anderen auch – das Gefühl, der einzige Starter zu sein, um den sie sich kümmert. Ich habe schon viele Veranstaltungen erlebt, aber so eine persönliche, familiäre Betreuung habe ich noch nie erlebt. Danke Claudia !

 

Fazit:

Mozart 100 – ich komme wieder. Nächstes Jahr – versprochen – ausreichend trainiert für die 55 km und wieder in Fivefinger !

Veröffentlicht in Laufstrecke
4 Kommentare zu “Mozart 100 – ein geplanter DNF
  1. Berndt sagt:

    Toller Bericht, gratuliere zu den 30 …. ich musste auch in Fuschl aufhören, da der Kopf leer war und ich das Zeitlimit als Nordic-Walker nicht geschafft hätte und diesen Druck wollte ich mir auch nimmer geben. Und ich gebe dir vollinhaltlich recht …. ich habe trotzdem die 30 mehr als genossen 😀 …. und ja, auch ich hatte (welch Wunder) die Versicherung – also auf ein Neues 2017 …. Ach ja und das Mit Claudia kann ich nur bestätigen. Die Betreuung im Vorfeld war schon so familiär, als hätte ich den Lauf schon als Stammkunde gewalkt!

    LG Der Fanki

  2. Irene sagt:

    Toll! Das möchte ich auch mal machen!!!

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