Welche Laufuhr soll ich mir kaufen ?

Diese Frage in einem Laufforum zu stellen – so verständlich sie ist – ist ungefähr so sinnlos wie die Frage: Welches Auto soll ich mir kaufen ?

Jeder wird dir seine Uhr anpreisen, erklären, warum genau die die Beste ist und die anderen nicht so gut.

Dabei läßt sich diese Frage – ohne weitere Informationen – gar nicht beantworten.

 

Die Laufuhr, die ein Laufanfänger braucht ist eine andere als die, die ein Triathlet braucht. Die Laufuhr, mit der Du dich auf deinen ersten Marathon vorbereitest ist ev. eine andere als die, die ich für den Wien Rundumadum brauche.

 

Wer sich hier jetzt einen Einkaufguide mit detaillierten Vergleichen erwartet – sorry …

Hier findest Du – bunt gemischt – einige Entscheidungskriterien für eine Laufuhr. Die, die mir bis jetzt aufgefallen sind eingefallen sind.

Wer sich tief in die Materie einarbeiten möchte, wer genaue und exakte Vergleichtests haben möchte, wer wissen möchte, welche Uhr nun den besten und genauesten GPS Empfang hat, den darf ich auf

http://www.dcrainmaker.com/ verweisen. Der hat extrem gute Tests von Laufuhren und anderem “Spielzeug”, technische Infos, Vergleiche usw. Ich bin bis jetzt mit jedem Gerät zufrieden gewesen, mal ist es genauer, mal nicht – mir hats immer gereicht.

 

Grundsätzliche Empfehlung

Die erste Laufuhr sollte tendenziell eine nicht zu komplexe sein. Wenn ich zu Laufen anfange, ist in Wirklichkeit der Pulsbereich und vielleicht noch der Pace (also die Geschwindigkeit) interessant.

Und danach eine nette Statistik, wie lange ich gelaufen bin. Achtung: bei vielen – auf den ersten Blick billigen – Laufuhren ist kein Brustgurt zur Pulsmessung dabei !

 

Von den Laufuhren mit GPS und Pulsmesser unter EUR 200,00 könnte man sich z.b. ansehen:

Polar Trainingscomputer M400 HR um EUR 149,95

Garmin Forerunner 610 HR um EUR 159,99

Runtastic GPS Uhr mit Herzfrequenzmessung um EUR 135,67

 

(basierend auf den beliebtesten GPS Uhren auf Amazon in diesem Preisbereich mit den oben beschrieben Funktionen)

 

Entscheidung Handy vs. Laufuhr

Wenn es nur um die Aufzeichnung und nachträgliche Statistik des Laufes geht, ist das Handy sicher die billigere Wahl.

Runtastic bietet z.b. auch Trainingspläne an und “spricht” die Trainingsaufgaben, Pace usw. direkt ins Ohr.

Im Bereich Community, Routen usw. ist – von den Dingen die ich kenne – Runtastic weit vorne. Alleine die Möglichkeit, meiner Frau bei meinen langen Läufen die Gewissheit zu geben, das es mir gut geht (sprich, ich mich bewege) ist für mich ein Grund, neben der Laufuhr auch Runtastic mitlaufen zu lassen. Auch das Sharen auf Facebook und die große Auswahl an Routen und einfache Möglichkeit, diese zu erstellen gefällt mir.

 

Aber:

Wer – so wie ich – nicht mit Kopfhörer läuft, für den ist Runtastic ungeeignet für Trainingspläne. Auch um kurz zu sehen, wie lange man schon läuft und wie schnell. Das Handy ist – bei mir – immer gut verstaut und nix um schnell mal nachzusehen.

Und – der zweite entscheidende Nachteil: GPS, Musik, Bluetooth für den Brustgurt und LiveTracking  lassen den Akku rapide schmelzen. Kein Problem für den “ich laufe max. 1,5 Stunden” Läufer, aber wer – so wie ich – im Winter oft 3-4 Stunden unterwegs ist, bei dem überlebt das Handy ohne Zusatzakku den Lauf nicht.

 

D.h. mein Handy ist mit am Mann zur Protokollierung, ersetzt mir die Laufuhr aber nicht.

 

Webinterface / Applikationen

Ich würde mir unbedingt vorher – idealerweise bei einem Freund – die Webinterfaces bzw. Verbindungen zum Computer ansehen.

Hier unterschiedet sich ein Garmin von einem Polar, ein Suunto von einem TomTom. Welche Plattform jetzt besser ist, hängt wieder stark von der Nutzung ab und den persönlichen Vorlieben.

Ich bin irgendwie bei Garmin hängen geblieben. Die Weboberfläche ist OK für mich, bietet mir die Funktionen, die ich brauche.

 

Übertragung auf den Computer

Ein nicht zu unterschätzender Punkt (für mich). Ich will nach dem Laufen nicht immer die Laufuhr an den Computer anhängen müssen. Viele Garmins haben WLAN, d.h. wenn ich nach dem Lauf nach Hause komme, drücke ich aufs Knopferl auf der Uhr und der Track ist hochgeladen. Bin ich unterwegs, baue ich die Verbindung übers freigegebene WLAN des Smartphone auf. (Achtung: Meine Garmins können sich – ohne Computer – nicht in “fremde” Wlans verbinden)

 

Pulsmessung

Eine heftige Diskussion in den sozialen Medien. Und ein Thema, wo ich nicht wirklich mitreden kann. Mich stört mein Brustgurt schlicht und einfach nicht. Deswegen habe ich über Alternativen nie nachgedacht.

Ich verstehe allerdings, das dieses Thema insbesonders bei Frauen eine ganz andere Priorität hat.

Hier gibt es z.b. die TomTom GPS Runner Cardio, die die Pulsmessung am Handgelenk macht.

Hier ein Erfahrungsbericht einer Läuferin:

Ich habe die TOM TOM seit etwa ~2 Jahren. Die Basisversion, nicht die für Triathleten.

Größtes Plus und Kaufentscheidung – kein Laufgurt mehr und SAT-Verbindung zwecks Streckenmessung. Der Gurt hat mich immer schon gestört/eingeschnürt , daher Wechsel auf die Tom Tom.

Funktioniert sehr gut, muss gut, aber nicht zu eng am Handgelenk befestigt sein (verschiedene Bänder zur Auswahl möglich) . Bis auf ein paar Kurzausfälle, die ich aber auch schon bei alten Brustgurt-Uhren hatte, funktioniert die Tom Tom eigentlich durchwegs einwandfrei (Kurzstrecken, Marathon) – sobald sie die Satelliten-Verbindung aufgebaut hat, was ja mitunter etwas dauern kann J Es gibt aber auch ein Schnelllaufmodus.

Zur Befestigung: ich trage die Uhr immer direkt auf der Haut (Handgelenk) auch im Winter, kann nicht sagen, ob sie über einem T-Shirt funktioniert, denke nicht.

Schwitzen ist kein Problem. Die Uhr sollte nicht baumeln, sondern fest (aber noch angenehm) am Handgelenk sitzen.

Sie wird über Kabel (kleine Station) aufgeladen, hält locker eine Marathondistanz bzw. Aktivitäten bis zu 5/6 Std. durch.”

 

Gibt es weitere Erfahrungsberichte zum Thema Pulsmessung am Handgelenk ?

Wie genau ist das ? Wie schaut das im Winter aus (Ich trage im Winter meine Uhr immer ÜBER dem langen Laufleiberl) ? Muss die Uhr fest am Handgelenk befestigt sein oder darf sie “schlenkern” ? Sind Wasser, Schmutz, Schweiß ein Problem ?

 

Anzeigen

Das ist ein Punkt, der meines Erachtens (vielleicht nicht für die erste Laufuhr) nicht unwichtig ist.

Wie leicht kann man die Anzeigen konfigurieren und verändern ?

Kann ich hier Seiten fürs Training und welche für den Wettkampf machen ?

Kann ich für unterschiedliche Sportarten unterschiedliche Seiten gestalten ?

(Meine Fenix 3 kann das, der Forerunner 410 – wenn ich mich recht erinnere – nicht.)

Ich brauche z.b. beim Radfahren komplett andere Infos als beim Laufen.

 

Trainingspläne

Das ist – besonders wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereite – ein wichtiger Punkt. Auch hier heißt es wieder: Schau dir das bei einem Freund an.

Wie leicht kannst Du einen Trainingsplan – idealerweise am Computer – erstellen und auf die Uhr übertragen ?

Wie gut kannst du den Trainingsplan auf der Uhr abrufen ?

 

Laufband

Wer öfter am Laufband trainiert und seine Trainings aufzeichnen möchte, der muss hier aufpassen.

Die meisten Laufbänder in den Fitness-Studios “verstehen” Polar-Laufuhren. D.h. wenn ich einen Brustgurt von Polar trage, sehe ich meinen Puls am Laufband-Computer.

Viel interessanter ist, wie ich meinen Lauf (Geschwindigkeit, Strecke) auf die Uhr bekomme. Bei vielen Herstellern brauche ich dazu einen Fußsensor. Dieser unterstützt oft auch die Genauigkeit vom GPS

 

Karten

Hier sind wir jetzt in der Mittelklasse bis Spitzenklasse der Laufuhren. Wird der Anfänger-Läufer und Gelegenheitsläufer jetzt nicht unbedingt brauchen.

Wer aber – so wie ich – gerne im Gelände unterwegs ist, gerne neue Strecken ausprobiert – sowohl mit dem Rad als auch beim Laufen und lange Läufe macht, für den ist die Option, Karten bzw. Tracks auf die Uhr zu laden schon sehr hilfreich.

Ist einer der Gründe, warum ich jetzt meine Fenix 3 habe. Dieses Feature geniese ich sehr Ich sehe bei Abzweigungen, wo ich hinlaufen muss, die Uhr warnt mich, wenn ich vom rechten Weg abkomme (beim Sportln Zwinkerndes Smiley  ) und ich finde auch leicht wieder zurück.

Auch hier ist die Vorgehensweise, neue Tracks auf die Uhr zu bekommen, von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich…

 

Activity Tracker

Wieder einer der Gründe, warum für mich die Fenix 3 derzeit meine bevorzugte Uhr ist. Ich sitze zu viel und zu lange.

Die Fenix erinnert mich regelmäßig, wenn ich mich zu lange nicht bewege und zählt meine Schritte. Die Auswertung davon habe ich im gleichen Portal, wo ich meine Läufe tracke.

Angenehmer Nebeneffekt: Laufen hebt die tägliche Schrittquote enorm – alleine an dem Tag, wo ich die 55 km beim Mozart 100 Gelaufen bin, hatte ich heiße 65.000 (!) Schritte am Zähler.

D.h. ich bin derzeit froh, das ich alles in einem Portal habe.

 

Touch vs. Knopf

ich bin ein echter Touch-Fan. Habe einen Computer mit Touch-Bildschirm, ein Touch-Tablet, ein Touch-Handy.

Ich hatte mit dem Garmin Forerunner 410 begonnen (nach dem nicht mehr erhältlichen 305er)

Der 410er wird über ein Touchfeld an der Uhrumrandung bedient – ein nicht optimales Konzept – zumindest hat es bei mir nicht immer gleich funktioniert.

Der Garmin 620 – mein zweiter Laufcomputer – hat eine gute Mischung aus Knopf und Touchdisplay.

Die Fenix 3 hat nur noch Knöpfe – und trotz aller Freude an der Touch-Technik muss ich sagen: Bestes System….

D.h. ich würde – bei gleichwertigen Uhren – eher die ohne Touch nehmen.

 

Akkulebensdauer

War für mich bis jetzt kein echtes Thema. Jede Uhr hatte mehr Saft als ich beim Laufen Zwinkerndes Smiley

Und da ich die Uhren bis jetzt nur beim Laufen getragen habe, ist sie nach dem Lauf wieder an den Ladeclip gekommen und war beim nächsten Mal wieder voll.

Jetzt ist es bei mir etwas anders.

Da ich die Uhr – als Activity-Tracker – nun ständig trage und auch mit Ultras begonnen habe, ist die Akku-Lebensdauer auf einmal sehr wichtig geworden.

Die Fenix hält bei normalen Gebrauch inkl. 2-3 x Sport in der Woche die ganze Woche und ist in wenigen Stunden wieder aufgeladen.

Angeblich hält der Akku auch mind. 12 Stunden beim Laufen inkl. normaler GPS Aufzeichnung, im Ultra-Track-Modus (reduziert die GPS Abfrage) noch viel länger.

 

Lauftechnik

Wer sich – so wie ich – mit Lauftechnik beschäftigt, für den sind Werte wie Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit oder vertikale Bewegung nicht uninteressant um die Lauftechnik zu verbessern.

Für mich ein Grund, auf den Forerunner 620 bzw die Fenix 3 zu wechseln.

 

Updates

Was bei Garmin schon länger normal ist, machen langsam alle Uhrenhersteller: Das Ausliefern von Updates. Garmin liefert recht regelmäßig Updates aus – gefühlt 1 x pro Woche…

Was recht nett ist – weil damit Fehler in der Uhr behoben werden. Ich habe z.b. vor ca. 1 Woche einen (reproduzierbaren) Fehler an Garmin gemeldet, der mit einem Update von heute behoben wurde – keine Ahnung, ob wegen meiner Meldung, aber wichtig ist, der Fehler ist weg.

Bei Suunto Ambit kommen auch regelmässig Updates – mehr zur Client-SW als zur Software auf der Uhr. Polar und TomTom machen grundsätzlich auch Updates, aber wesentlich seltener…

 

Wenn Du jetzt verwirrter als vorher bist – sorry….

 

Hier mein Ratschlag:

 

Überlege Dir, wozu Du die Uhr eigentlich haben möchtest.

Puls und Trainingssteuerung ?

Aufzeichnen von deiner Laufstrecke ?

Kontrolle der Geschwindigkeit beim Laufen ?

Um deine sportlichen Aktivitäten (vom Laufen übers Radfahren über Skifahren usw.) zu protokollieren ?

Schreib Dir auf, was Dir wichtig ist und suche die Uhr, die diese Dinge kann.

 

Kaufe Dir die Uhr, die Du JETZT brauchst, nicht die die Dinge kann, die Du ev. irgendwann mal brauchen willst.

Wenn Du vorhast, als eins deiner Lebensziele einen Triathlon zu finishen und gerade zum Laufen anfängst, muss es nicht unbedingt eine Triathleten-Uhr sein – sie wird dich überfordern.

 

Informiere Dich, frag viele Menschen, warum sie sich für ihre Uhr entschieden haben und suche Dir 3-4 Modelle aus, die Dir gefallen würden.

Und dann suche Dir jemanden, der eines dieser Modelle hat und geh mit ihm/ihr laufen.

Borg dir während des Laufes die Uhr aus (den Brustgurt brauchst ja nicht unbedingt)

Versuche, der Uhr – ohne Anleitung – die Informationen zu entlocken, die du beim Laufen haben willst.

Spiele dich mit dem Interface. Wenn Du länger als 10 Minuten brauchst, um die wichtigsten Dinge zu finden, such dir lieber eine andere Uhr.

 

Webinterface

Wenn Dir die Verbindung Computer – Uhr wichtig ist, schau dir an, wie das bei deinen Wunschmodellen aussieht.

Lass Dir von einem Freund/Freundin das Webinterface von Garmin/Polar und wem auch immer zeigen. Schau Dir an, wie die Übertragung funktioniert.

 

FAZIT

Wirklich schlechte Uhren gibt es nicht (oder kaum) – besonders nicht bei den großen Marken (Polar, Garmin, Suunto,…)

Es sind dann oft die Kleinigkeiten, die im täglichen Gebrauch stören bzw. lästig sind.

Mein Tipp daher noch mal: Ausprobieren, testen…

 

Wer in Wien wohnt und das Garmin Webinterface sehen mag oder eine Garmin (Fenix 3, Forerunner 620) testen möchte, kann gern mal mit mir laufen gehen….

Veröffentlicht in Allgemein, Spielzeug

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