Wien Rundumadum–die Dreiviertel Gschicht

Der Wien Rundumadum Lauf führt über die schönsten Laufstrecken rund um Wien. Die Originalstrecke mit 130 km ist mir bis jetzt nicht nur zu lang gewesen, mich reizen auch die letzten 50 Kilometer durch die Lobau (im Dunkeln) so gar nicht. Die Halbe Gschicht ist streckentechnisch völlig uninteressant, da quasi keine Berge dabei sind.

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Seit heuer gibt es die “Dreiviertel-Gschicht” – diese folgt der Strecke der ganzen Gschicht bis zur Steinspornbrücke und biegt dann links ab und geht die Donauinsel entlang ins Ziel. 88 km und 1700 HM sind auch die Distanz, die ich derzeit anstrebe…

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Auch vom Trainingsplan und Zustand hat der Termin und auch die Distanz voll gepasst…. Die einzige kleine Unsicherheit war die schon vor einem Jahr gebuchte Tauchsafari genau in der Woche davor, wobei mein Trainer meinte, in der Woche wird eh quasi nicht mehr trainiert (was auf einem Safariboot eher schwierig wäre…)

 

Vorbereitung war mental ein wenig kurz – bin am Donnerstag spät Abends von Ägypten gekommen, am Freitag gearbeitet, danach die Tauchsachen versorgt, dann die Sachen gepackt. Wechselgewand für die Dropbags, Verpflegung, alles wie immer…

 

Start war um 08:30, davor sehr gut organisierte Startnummernausgabe und Tracker-Ausgabe. Jeder Teilnehmer bekommt hier einen GPS Tracker, mit dem die Position der Läufer jederzeit im Web geprüft werden kann (und das Orgateam gut helfen kann, wenn sich ein Läufer verirrt)

Zu meiner Freude habe ich einen Bekannten getroffen – Wolfi – den ich beim Mozart 100 kennenlernen durfte.

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Zu Zweit macht das Laufen einfach mehr Spaß, weil durch das Plaudern die Zeit schneller vergeht.

BTW: Im Hintergrund zu erkennen ein Pärchen, die frisch verheiratet mit Blechdosen am Rucksack gemeinsam gelaufen sind…

 

Gestartet wird bei der Alten Donau und die ersten 9 KM sind komplett flach – so liebe ich es, weil der Körper bei der ersten Steigung schön aufgewärmt ist. Dann gehts die Nase am Leopoldsberg rauf – die Aussicht ist immer wieder schön

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Das Laufen war ein Genuß, die Kilometer sind nur so verflogen, wir haben geplaudert, mit den anderen Teilnehmern gescherzt, das ist das was ich an Ultras so liebe. Die Wege sind nicht immer die allerschönsten in der Umgebung, großteils eher breite Wanderwege statt Single Trails, aber die Gegend ist im Herbst einfach traumhaft

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Nach 3 Stunden waren wir bei der ersten Labe bei KM 23 – alles relativ gemütlich, die leichten Schmerzen in der rechten Achillessehe und im linken Fußbeuger waren neu, ein wenig lästig, aber nicht störend.

 

Nach ein paar Schluck Wasser+Iso, ein paar Schwedenbomben und einem Brot ging es weiter… Wetter war perfekt, 12 Grad, hin und wieder ein kühler Wind, aber trocken.

Ein echter Genußlauf….

 

Im Bahnhof Hütteldorf habe ich dann sicherheitshalber den Wasservorrat aufgefüllt – lieber zu viel Wasser als zu wenig. Auf der Brücke über den Wienfluß haben wir Hermann “aufgegabelt” – ein Oberösterreicher der das erste Mal dabei war, aber schon viele Ultras gelaufen ist und der uns auf meiner Lieblingsstrecke – Rund um den Lainzer Tiergarten – begleitet hat. Hier habe ich dann auch Wolfi ziehen lassen, da er eine Spur schneller war als wir.

 

Bei den Steigungen habe ich dann gemerkt, das da schon über 30 km in den Beinen waren, trotzdem haben wir uns kontinuierlich den DreiHufeisenberg hochgeschraubt.

 

Beim nachfolgenden Downhill mußte ich dann leider Schummeln und die Strecke abkürzen.

Nicht um Zeit und Platzierungen gut zumachen – sondern einzig und alleine, weil die Originalstrecke meinen Lieblings-Singletrail hier ausläßt. Auf der Strecke biegt links ein Trail ab, der – technisch etwas anspruchsvoll – steil bergabgeht und danach in einen genialen, leicht bergab geneigten, gewundenen Trail mündet – hier zaubert der Weg immer ein Lächeln auf meine Lippen.

Am Ende des Trails haben wir auf der Originalstrecke Wolfi getroffen – dem klar war, das wir diesen Weg gewählt haben, weil er schöner ist. Wegersparnis: 500 Meter – bei 88 km eher verzeihlich…

 

Beim Weg zur Labe 2 habe ich die Kilometer schon in den Beinen gespürt, trotzdem war das Laufen problemlos – auch wenn die leichten Schmerzen in den Füßen immer noch vorhanden waren.

Die trockene Kleidung, die ich im DropBag hinterlegt hatte, waren ein Genuß, leider gabs keine warmen Getränke an der Labe. Nach 20 Minuten Pause bin ich dann – alleine – weitergelaufen.

 

So gut die Pause den Beinen getan hat, so schlecht war sie scheinbar für die Füße. Besonders der linke Fuß war spürbar schlechter, hauptsächlich bei den Gehstrecken, weniger beim Laufen. Die Strecke ab dem Güterbachtor ist wesentlich “zivilisierter” als die bisherigen Strecken, viele Spaziergänger, ein schöner Weg durch den Wald bis Kalksburg. Ab dort geht es dann immer der Liesing entlang, bis zur nächsten Labe bei meinem Lieblings-Laufartikel-Dealer – dem Geschäft von Elisa und Ed Kramer – Traildog Running.

 

Die sind nicht nur immer für alle Ausrüstungsfragen rund ums (Trail)Laufen die perfekte Anlaufstelle, sondern haben für alle Läufer des Rundumadums eine ganz wunderbare Labe eingerichtet (nachdem die Strecke quasi unmittelbar neben dem Geschäft vorbeigeht)

Eine gute, selbstgemachte, warme Suppe, Getränke, wie immer eine nette Plauderei und sogar das Angebot, Ersatzsocken für meine etwas löchrigen Zehensocken bereitzustellen

Bild könnte enthalten: 1 Person, sitzt und Essen

(Fotocredit Tom Rottenberg – http://www.derrottenberg.at/ )

 

Gestärkt ging es weiter und die Strecke wurde immer “stadtlicher” Zum Glück bin ich den Streckenteil schon mal zur Probe gelaufen, die Unterführung beim Bahnhof Liesing und das kleine Stück durch die Straßen, wo die Liesing unter der Erde verschwindet, waren eher schlecht markiert, besonders weil es dunkel war.

Bei km 56 waren die Schmerzen dann nicht mehr zu ignorieren. Der restliche Körper war nicht mehr frisch, aber der gemütliche Trott war von der körperlichen Verfassung gut möglich. Trotzdem war mir dann bei km 57 klar, das Laufen mit Schmerzen keine gute Idee ist und damit war der Entschluß klar, das Rennen zu beenden. Zum Glück hatte ich die Route auf Komot gespeichert und konnte somit eine optimale Abholposition suchen.

 

Beendet habe ich das Rennen dann bei KM 59,74 und 9:25 Stunden.

Beim Warten auf meine Kinder (danke noch mal fürs abholen !) ist mir dann auch klar geworden, was die Ursache war. Weil mich irritiert hat, das ich diese Schmerzen nicht kannte und auch während dem Laufen keine Idee hatte, woher die kommen können.  Beim Warten war es dann klar: Das sind genau die Muskeln/Sehen, die ich beim Bewegen der Flossen benötige. Und die mache ich quasi immer nur 1 x im Jahr bei der Tauchsafari, dort dafür sehr intensiv. Und bei einer Flossenlänge von 1 Meter ist das eine Belastung für den Fuß.

 

Learning:

Keine gute Idee, 2 Tage nach einer intensiven Tauchsafari einen Ultra zu laufen.

 

Heute ist der Fuß leicht geschwollen und tut noch weh – dem restlichen Körper geht es eigentlich gut. Mal sehen, wie lange die Schmerzen anhalten…..

 

Fazit:

Nächstes Jahr wieder. Der Rundumadum ist sicher nicht der schönste Ultra in Österreich, sicher nicht der Ultra mit den coolsten Singeltrails. Aber ein Ultra über die schönsten Laufwege in Wien, ein Ultra mit City-Flair (welcher Ultra führt schon mitten durch eine U-Bahnstation ?) mit einer guten Organisation und guten Laben….

Veröffentlicht in Marathon

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