“Wer scheitert, hat zu wenig trainiert”

Dieses Zitat von Karl Katoch, Motorradlegende und “Erfinder” des Erzbergrodeos ist mir während des Mozart 100 mehrmals durch den Kopf gegangen.

Dort sicherlich richtig, gilt es beim Ultralauf nicht für alle Teilnehmer, die ein DNF haben – für mich aber sicherlich der Hauptgrund, warum ich (wieder) nach dem Schafberg das Rennen aufgegeben habe.

Wobei ich das nicht als Scheitern empfunden habe, sondern als deutliches Zeichen, das ich auch heuer noch nicht bereit dazu war…

Aber vom Anfang an:

Das Rennen beginnt traditionellerweise beim Race Briefing am Freitag, das jedes Jahr mehr zum “Familientreffen” wird, weil ich mittlerweile schon so viele Menschen dort kenne. Heuer war es noch ein wenig spannender für mich – nicht nur, das 2 meiner Chi-Running Trainerkolleginnen und Kollegen da waren, auch mein Lauftrainer Florian Reuss dürfte von meinen Schilderung so begeistert gewesen sein, das er sich für den Mozart auch angemeldet hat

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Bernhard – links hinter Sara – hat sich dazu entschlossen, nicht zu starten, weil er die letzten Wochen zu viel krank war – stattdessen wird er die letzten Läufer am Weg von Hof nach Salzburg in der Nacht begleiten.

Temperaturmässig war der Freitag sehr extrem, keine Wolke am Himmel und heiß. Für das Rennen am Samstag war “besseres” Wetter angesagt.

Trotzdem hat es mich um 04:30 in der Früh etwas umgeschmissen, als ich vom (gut klimatisierten) Hotel auf die Straße gekommen bin, weil es gefühlte 25 Grad hatte.

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Start war pünktlich um 05:00 – vorher konnte ich noch mit meinen beiden Arbeitskollegen Markus und Edwin plaudern und das obligatorische Vorher-Foto mit Sara machen.

Bis zur ersten Labe in Hinterwinkl (km 11) habe ich das Training der letzten Monate sehr positiv gespürt – die ersten 6 km bis zur Klamm bin ich recht locker mit Sara mitgelaufen – in einem 5:40er Schnitt

In der Klamm habe ich Sara dann ziehen lassen und bin gemütlich weiter.

Die erste Labe war recht überfüllt – positiv war, das keine Becher an den Labestationen waren (weil der Becher zur Pflichtaustattung der Läufer gehört) und das Wasser direkt aus einem Brunnen kam – Nachteil der Sache hier war, das sich recht schnell eine lange Schlange gebildet hat. Hier wäre es für das nächste Jahr vielleicht hilfreicher, wenn man vorher Wasser in Kanistern sammelt, damit mehr als eine Quelle vorhanden ist.

Die weitere Strecke bis nach Hof ist recht unspektakulär. Das Wetter war wesentlich besser als befürchtet, Temperatur war perfekt, es war bewölkt und ein leichter Wind hat das ganze perfektioniert

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Auf Grund der angekündigten hohen Temperaturen habe ich diesmal eine extra 0,75 l Flasche mit “normaler” Flüssigkeit (also nicht meinem Zauertrank) vorne mitgeführt – hat sich fürs weitere Rennen als perfekte Wahl herausgestellt. Nur die 1,5 Liter vom Rucksack wären an manchen Stellen zu wenig gewesen. In der Flasche ist verdünnter Iso-Drink tlw. “gespritzt” mit Red Bull.

Wesentlich schneller als im letzten Jahr war dann Fuschl da, wie auch im Vorjahr habe ich aber beim Weg am See schon die Füße gespürt und konnte nicht alles durchlaufen.

Auch hat mich eigentlich schon vom Hotel an meine rechte Bedrock Sandale beschäftigt – irgendwas hat von Anfang an nicht gepasst – das Zehenband hat bei normaler Riemenspannung geschmerzt und wenn ich es gelockert habe, war die Sandale zu locker. In Fuschl habe ich versucht, das wieder zu fixen, ohne wirklich viel Erfolg.

Zu diesem Zeitpunkt war ich gute 45 Minuten vor den Cut-Off Zeiten und sehr positiv eingestellt.

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Beim weiterlaufen hat mich die Sandale allerdings wieder genervt und ich wußte, ab jetzt wird es etwas technischer. Daher habe ich mich entschlossen, auf die FiveFinger zu wechseln (die ja immer als Notfallsschuh im Rucksack sind)

Die Strecke Fuschl-Winkl zählt für mich zu den nettesten Teilen des Laufes – nicht nur durchläuft man ein wunderschönes Moor, sondern man kommt auch zum Eibensee, der mich immer wieder mit seiner Schönheit fasziniert

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Um 12:20 war ich in Winkl – 40 Minuten schneller als im Jahr davor. Diesmal konnte ich die Labe ausnutzen und vor allem das “Dusch-Service” mit eiskaltem Wasser. Nach einer 10 minütigen Pause bin ich dann weiter und vor dem “Hoch” auf den Schafberg in ein “Tief” gefallen.

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Irgendwie war die Kraft weg, die ersten Meter des Aufstieges sogar so weit, das ich kurz ernsthaft überlegt habe, umzudrehen und aufzugeben. Aber Bergauf-Gehen liegt mir und mental schaffe ich das besser als alles andere – weil ich nicht den Gipfel im Fokus habe, sondern immer nur den nächsten Schritt. Und nach 5 Minuten war ich in einem langsamen Trott und bin Meter für Meter aufgestiegen, mit dem Plan, jeden der 5 km 5 Minute Pause zu machen.

Der Gipfel war dann schneller da als befürchtet, hat mir aber klar gezeigt, das sich das Zwölferhorn nicht mehr ausgehen wird von der Kraft. Besonders, weil ich den Abstieg vom Schafberg immer noch fürchte.

Die Labe oben hat dann doch etwas enttäuscht: Kein Wasser mehr, kein Iso mehr. Für mich keine Katastrophe, da ich unten alles aufgefüllt hatte und noch halbvoll war – aber andere hat das hart getroffen. Ich verstehe schon, das bei dieser exponierten Lage so was passieren kann, aber wie dann kurz nachdem ich eingetroffen bin, der Transporter vom Mozart 100 Team von unten angekommen ist und LEER war (“ja, unten gabs auch kein Wasser mehr”) war das dann schon etwas strange… (Habe das Feedback am Abend dann Claudia gegeben und hier werden sie im nächsten Jahr definitiv nachbessern)

Der Abstieg vom Schafberg zählt jetzt nicht zu meinen Lieblingsstrecken. Für diese Art der Strecke habe ich nicht die richtige Technik – das muß ich die nächsten Monate definitiv massiv trainieren. “Normale” Abstiege laufen perfekt, die kosten mich wenig Kraft und dort überhole ich laufend Läufer. Dieser Abstieg (wie auch andere ganz steile) kosten mich aber zu viel Kraft und Zeit.

Ich war schon gespannt, ob die Bäume, die vor 4 Wochen noch quer über die Strecke  gelegen sind, noch da sein würden. Aber das Mozart 100 Team hat eine andere – bessere Lösung – gefunden:

Die Strecke war leicht modifiziert und hat uns einen steilen Hang abwärts auf eine Forststraße geschickt, die den problematischen Teil einfach umlaufen hat

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Auf dem steilen Teil hats ein paar Läufer zerbröselt, dafür gabs ein Stück weiter unten einen genialen neuen Ausblick

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Wie schon die letzten Male hat mich der Abstieg alle Kräfte gekostet – so viel, das ich unten dann mal 15 Minuten auf einem Bankerl – liegend – ruhen mußte.

Zu dem Zeitpunkt war mir schon klar, das sich die CutOff Time in St. Gilden eh nicht mehr ausgehen würde.

Die Pause war dann soweit hilfreich, das die restliche Strecke wieder halbwegs problemlos gegangen ist. Der Aufstieg zum Falkenstein war wieder sehr kurz, der Abstieg überraschend problemlos und die (wirklich schöne) Strecke am See entlang bin ich sogar wieder gelaufen.

In St. Gilden waren dann schon ca. 20 Läuferinnen und Läufer, die auf den Shuttle gewartet haben, in den 15 Minuten, bis er da war, ist die Zahl auf sicher 30 angestiegen.

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ich war zu dem Zeitpunkt – sagen wir mal – nicht mehr ganz fit und bin leicht unrund geworden, wie ich gesehen habe, das in den Shuttle nur 7 Personen passen (und der für eine Strecke ca. 30 Minuten braucht) Weil ich nur noch nach Hause wollte, habe ich ein Taxi organisiert und 3 Mitfahrer gesucht. Zu meiner Freude hat das Mozart 100 Team vor Ort die Problematik auch schon erkannt und nicht nur ein weiteres Shuttel organisiert, sondern uns auch zugesagt, das ich das Geld fürs Taxi im Rennbüro zurück bekommen würde – danke für diese schnelle Reaktion !

Auf der Heimfahrt, kurz nach Fuschl, dann ein Erlebnis, wo ich über den Abbruch sehr froh war:

Diesen Hagel hätte ich als Läufer nicht gern erlebt (besonders die Vorstellung, das das oben am Zwölferkogl passiert…)

Und beim nachfolgenden Regen  wird dann schnell klar, warum es eine Pflichtausrüstung inkl. Regenjacke gibt…

Mein Chi-Running Kollege Bernhard hat mir dann noch ein paar Eindrücke von seiner “Beserlwagen” Begleitung geschickt, die ich euch nicht vorenthalten möchte

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Danke Bernhard für die sehr coolen Fotos !

Fazit

Die Gründe für die Nicht-Erreichung meines Zieles (2 x Fuschl zu sehen) sind mir recht klar.

Leider kann ich der Rennorganisation keine Schuld daran geben (die war wie immer wirklich perfekt, die Strecke super ausgeschildert, dh die Navigation auf der Uhr ist mittlerweile gar nicht mehr notwendig, die Labestellen (bis auf Kleinigkeiten) super, das Team ist einer der Gründe, warum der Mozart zu meinen Lieblingsläufen zählt)

Auch dem Wetter nicht – auch wenn es natürlich heiß war, waren die Bedingungen wirklich gut und besser als befürchtet.

Auch nicht der Ausrüstung – die hat, bis auf die Sandale, diesmal auch super funktioniert.

Und schon gar nicht meinem Trainer, dem Florian. Der Trainingsplan der letzten 12 Monate war super, immer individuell an meine Bedürfnisse angepasst.

ABER

Wenn sich der Trainierte nicht an den Plan hält, schneller läuft als geplant und vor allem die letzten Monate immer wieder Einheiten ausläßt (weil mir andere Dinge wichtiger waren und weil ich tlw. wegen dem Wetter keine Lust hatte), dann gehen sich halt die geplanten Ziele nicht aus.

Eines habe ich gestern Abend allerdings für mich beschlossen:

Und zwar, wie ich am Liveticker meine Freunde “begleitet” habe auf der Strecke Fuschl-Salzburg. In der Badewanne liegend, im Bett liegend, beim Abendessen, kurz vorm Einschlafen.

Und mich gefragt habe, wie das so sein muß, jetzt dort draußen zu laufen… Und gewußt habe, das ich da so gar keinen Spaß mehr dran hätte. (Auch bei meinem Lauf gab es Momente, wo es keinen Spaß gemacht hat, aber das waren nur kurze Momente)

Egal, wie ich nächstes Jahr trainiert bin:

Mein Ziel wird definitiv 2 x Fuschl sein. Und dort wird das Rennen für mich enden.

So lange, bis ich mit einem deutlichen Zeitpuffer und einem großen Lächeln in Fuschl ankomme. Dann erst mache ich den Sprung von 80 auf die 100 km. (Ja, ich weiß: Von den 78 auf die 109 km)

Kleine Schritte, kleine Steigerungen. Und nachdem es immer nur mein Rennen ist, entscheide ich, wo ich es beende…

Veröffentlicht in Laufstrecke

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