Mozart 100–der 1. Versuch….

Gestern sollte beim Mozart 100 das erste Mal die 100km Grenze für mich fallen – aber es hat nicht sollen sein….

Aber wie es so oft im Leben ist – für große Ziele braucht man manchmal mehr Anläufe und ein Scheitern gibt es nicht, nur ein Lernen.

 

Aber fangen wir von Vorne an…

 

Vorbereitung

Meine Blogleser (und sicherlich auch die Menschen rund um mich Zwinkerndes Smiley ) haben die Vorbereitungen für den Mozart die letzten Monate live (und vielleicht auch zu viel) mitbekommen. Mein Hauptaugenmerk ist hierbei bei langen Läufen auf Trail gelegen und darauf Ausrüstung und Ernährung während des Trails zu testen und zu optimieren. Ein 11,5 Stunden Lauf vor ein paar Wochen hat mir dann die innere Gewissheit gegeben, das ich den Mozart schaffen kann…

 

Der Tag davor

Das Start/Zielgelände, heuer auf neuer Location, war wie immer voller Leben am Freitag. Wie immer trifft man dort nicht nur die Profis (zu meiner Freude habe ich Florian Grasl – der die 100km dann gewonnen hat – endlich mal persönlich kennenlernen dürfen, nachdem wir bis jetzt immer nur per Facebook kommuniziert haben), sondern auch viele Freunde.

Unter anderem auch zwei meiner ChiRunning Kursteilnehmer – Marius (samt Frau und Freunden) und Sara

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Das Race Briefing war, wie immer, zweisprachig, informativ und lustig – aus meiner Sicht ein Muß für alle Teilnehmer, besonders vom Mozart 100

 

Der Start

Die Nacht war überraschend entspannend, ich habe eigentlich damit gerechnet, vor Aufregung nicht wirklich schlafen zu können, wurde aber dann vom Wecker um 4:15 geweckt. Nachdem alle Sachen schon bereit lagen, konnte ich, ohne meine Frau zu sehr zu wecken, um 4:45 am Startgelände sein. Dort habe ich in der Menge von 430 Startern Sara relativ rasch gefunden

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Die angekündigten Ausrüstungskontrollen fanden nur sporadisch statt und auch meine Sandalen (für die ich eh eine Ausnahmegenehmigung hatte) sind nicht wirklich aufgefallen..

Sara wollte nicht zu schnell starten und somit haben wir beschlossen, gemeinsam zu laufen. Der Startschuß war pünktlich und das Abenteuer hat begonnen…

 

Das Rennen

Zu meiner Überraschung waren die ersten paar Kilometer anders als vor 2 Jahren – wesentlich netter, abwechslungsreicher als 2016. Die Stimmung um 5:00 Uhr war traumhaft, im Osten waren die ersten Anzeichen des Sonnenaufgangs zu sehen, die Temperatur war perfekt. Leider gibt es ab jetzt kaum noch Fotos , weil ich irgendwo nach Fuschl meine GoPro verloren habe…

 

Lediglich das Tempo war mir eine Spur zu schnell – 5:40 war meine Marathon-Pace und eher nicht das, wie man einen Hunderter startet. Und nachdem ich gesehen habe, das sich Sara schwer tut, langsamer zu laufen, haben wir uns ca. bei KM 7 getrennt… Kurz danach ein kleiner Unfall – nach einem Schluck von meinem Zaubertrank ist mir ein ChiSamen im Hals stecken geblieben, beim Versuch, den mit einem Schluck Wasser runterzuspülen musste ich feststellen, das aus meinem Trinkrucksack nix rauskommt – bei aller peniblen Vorbereitung habe ich diesmal nicht daran gedacht, einmal zu testen, ob Wasser kommt… Hat mich ein klein wenig geärgert, das Problem war nach kurzer Zeit aber erledigt.

 

Ansonsten war die Strecke – wie immer . ein Traum. Die Klamm am Anfang ist wunderschön, viele kleine Wasserfälle, angenehm zu Laufen und nach kurzer Zeit war schon die Labestation 1 da. Kurzer Aufenthalt für den Facebook-Status und weiter auf der Strecke. Auch der Weg zur Labestation 2 war völlig problemlos und richtig cool – lockeres, entspanntes Laufen, viel Chi, Uphills stetig mit den Stöcken, Downhills mit viel Tempo.

Irgendwann, einige Kilometer vor Fuschl, habe ich mit Hansj zu plaudern begonnen, der eine Zeit lang vor und hinter mir gelaufen war. Ein Schweizer, 50, der schon einige Erfahrung mit Ultras hat. Und weil das Plaudern die Zeit vertreibt, waren die Kilometer bis Fuschl mit ihm schnell erledigt

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Die Labestation in Fusch war mein erster geistiger Streckenabschnitt, diesmal nicht direkt am See, dort wäre für die ganzen Drop-Bags auch kein Platz gewesen

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Wir waren um 09:14 in Fuschl – was mich zu diesem Zeitpunkt sehr beruhigt hat, weil ich lt. meinem Plan 50 Minuten schneller war…

 

Die Strecke nach Fuschl war neu für mich – und hat einige extrem schöne Streckenteile. Einen kleinen, versteckten Teich, irgendwo eine Alm mit einem geschützten Moor und traumhaften Blüten, ein reiner Genuß.

Und immer wieder geniale Ausblicke auf die Seen der Umgebung

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Beim Downhill von diesem Berg habe ich mich dann schweren Herzens von Hansj getrennt – er war eine kleine Spur schneller als ich und ich habe gemerkt, das mir das Tempo nicht gut tut und ich etwas mehr Pausen bzw. Gehstrecken benötige.

 

Am Weg zur Labestation in Winkl bin ich dann durch eine der schönsten, geheimnisvollsten Gegenden gelaufen

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Keine Ahnung wo das genau war, gefühlt 3-4 km vor Winkl. Traumhaft, aber der Streckenbereich war technisch sehr schwer zu laufen mit den Sandalen – Bergab war oft nur ein Gehen möglich, da viele große Steine und Wurzeln den Downhill mit den dünnen Sandalen (für mich) unmöglich gemacht haben….

Auf diesem Streckenteil habe ich eine Gruppe von Deutschen begleitet – die mich erstmalig auf die Cut-Off Zeiten so richtig aufmerksam gemacht haben.

Für mich waren die bis dorthin nicht so wirklich wichtig gewesen, der Blick auf die Uhr hat aber gezeigt, das es schon in Winkl mit 12:30 eher knapp werden könnte.

 

Und so war es auch – in Winkl war nur Zeit, das Wasser aufzufüllen und um 12:29 bin ich weiter. In dem Wissen, das für die 12 km bis Fürberg zwar 3 Stunden Zeit sind, dazwischen aber der Schafberg – die größte Erhebung im Rennen – liegt und das Rennen für mich wahrscheinlich in Fürberg zu Ende sein wird…

 

100 Meter nach der Labestation habe ich dann kurz noch mal Pause gemacht und die Schuhe gewechselt – die Sandalen verlangsamen den Lauf im schwierigen Gelände einfach massiv…

Den Gedanken, das Rennen gleich hier zu beenden, habe ich gleich verworfen – bewusst und ohne echten Grund aufgegeben habe ich bis jetzt erst 1 Rennen und das mache ich nicht mehr…

Ausserdem wollte ich den Schafberg sehen.

 

Der Aufstieg am Schafberg ist brutal – anders kann man das nicht wirklich nennen. Da gibts keine gemütlichen Serpentinen – da geht es einfach nur den Berg rauf, so steil wie möglich.

Ein Traum für einen Tagesausflug, nach 47 km und 7 Stunden hat der Aufstieg mich immer wieder an meine Grenzen gebracht.

Oben dann aber ein richtig geiler Ausblick – bei Schönwetter sicher die beste Labestation

 

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Der Downhill wieder schwierig für Minimalschuhe – Schotter gemischt mit Felsen und größeren Steinen, gemischt mit der Müdigkeit bedeutet, das ich mehr Gehen mußte als Laufen.

 

Am Ende des Schafbergs dann eine kleine Überraschung:

Liebe Läufer des Wolfgangsee-Laufes. Ich habe einen Tipp für Euch. Wenn Euch der Falkenstein hoch erscheint beim Lauf, braucht ihr vorher nur den Schafberg hoch und runter laufen. Dann ist der Falkenstein nur noch ein kleines Hügerl Zwinkerndes Smiley

 

Ankunft in Fürberg war dann 1 Stunde nach der Cut-Off Time und für mich das Ende des Rennens.

Schade, aber ich habe viel gelernt dabei…

 

Learnings

1) Lauftechnik ersetzt Training nicht

Nicht, das das wirklich was Neues ist. Aber für einen Hunderter mit 4.500 Höhenmeter reichen ein paar lange Läufe als Vorbereitung nicht aus. Und Ausdauer ist nicht alles, ein wenig mehr Tempo gehört dazu.

 

2) Sandalen sind nicht immer optimal

Die Schuhempfehlung des Organisatoren ist zu 100 % berechtigt. Aus meiner Sicht weniger wegen der Verletzungs- und Unfallsgefahr (ich gehe davon aus, das alle, die diesen Lauf in Sandalen starten, damit gut umgehen können). Aber die Sandalen zwingen dich (zumindest mich Zwinkerndes Smiley ) zum Gehen, wo du mit Trailschuhen laufen könntest. Vor allem bei den Downhill Passagen, die Laufend massiv Zeit einsparen und auch weniger Kraft kosten als Bergab gehen.

 

3) Steile Berge runter muss ich noch trainieren

Laufbare, weniger steile Hügel gehen mittlerweile sehr gut, die Lauftechnik für die steilen Hügel habe ich so richtig erst beim ChiRunning Kurs gelernt – die muss ich üben.

 

Mozart sieht mich wieder

2019. Mit mehr Training (Tempo und Berg) Mit anderen Schuhen (das wird noch spannend) Und mit einem neuen Plan, der die Cut-Off Zeiten berücksichtigt…

Bin ich enttäuscht ? Ja, ein wenig. Am Boden zerstört ? Nein. Wenns leicht wäre, könnte es ja jeder. Wenn es beim ersten Mal ohne Probleme klappt, könnte ich nicht davon lernen…

Und damit freue ich mich auf nächstes Jahr.

 

 

 

 

 

Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings so gar nicht im Block hatte, waren die Cut-Off Zeiten.

Cut-Off Zeiten sind die Zeiten, zu denen die Läufer die Labestationen erreichen müssen. Kommen sie später, werden sie aus dem Rennen genommen.

 

 

 

 

Cut-Off Zeit für Fuschl war 10:00 Uhr

Fuschl KM 30,5 10:00h – 5 Stunden Winkl KM 46,5 12:30h – 7,5 Stunden Fürberg KM 59 15:30h – 10,5 Stunden Fuschl KM 72,5 18:00h – 13 Stunden Hof KM 83 20:00h – 15 Stunden Koppl KM 94 22:00h – 17 Stunden Kapitelplatz KM 103,5 01:00h/17.6. – 20 Stunden

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